Großes Interesse an Vortrag zur Wärmewende
Am 18. Mai fand an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften eine gemeinsame Vortragsveranstaltung von Scientists for Future (S4F) und dem SPD-Arbeitskreis Klima- und Umweltschutz zur zukünftigen Wärmeversorgung von Städten statt. Mehr als 25 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil und diskutierten im Anschluss intensiv mit den Referenten.
Im Mittelpunkt standen zwei zentrale Fragen der kommunalen Wärmewende: Welche regionalen Wärmequellen stehen künftig zur Verfügung – und wie schnell müssen Städte und Kommunen handeln?
Ralph Schaper, Leiter Energiewirtschaft der Salzgitter AG, stellte die Potenziale industrieller Abwärme aus dem Stahlwerk Salzgitter vor. Bei der Stahlproduktion entstehen große Mengen nutzbarer Wärme, die perspektivisch über Fernwärmeleitungen bis nach Wolfenbüttel und Braunschweig transportiert werden könnten. „Dies wird auch nach einer Umstellung der Stahlgewinnung auf Wasserstoff der Fall sein“, erläuterte Schaper. Da Stahl auch langfristig ein unverzichtbarer Werkstoff bleibe und das Werk zur kritischen Infrastruktur Deutschlands zähle, sei eine dauerhafte Wärmeversorgung möglich. „Wir stehen bereit“, so Schaper. „Die Städte müssen es nur wollen.“
Im zweiten Vortrag präsentierte Frank Christian Seidel von der Technische Universität Braunschweig Ergebnisse einer Studie zur Nutzung von Fließgewässern für die Wärmeversorgung deutscher Städte. Die Untersuchung zeigt, dass ein Großteil der betrachteten Großstädte mehr als 50 Prozent des Raumwärmebedarfs privater Haushalte aus Flüssen decken könnte. Auch mögliche ökologische Auswirkungen wurden thematisiert. Auf die Frage aus dem Publikum, ob Flüsse durch die Wärmeentnahme im Winter vereisen könnten, erklärte Seidel, dass Flüsse selbst bei Außentemperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius typischerweise nicht unter 0 bis 2 Grad Celsius abkühlen. Eine zusätzliche Abkühlung um wenige Grad sei aus ökologischer Sicht sogar sinnvoll, da sich deutsche Flüsse infolge des Klimawandels seit den 1950er Jahren bereits um durchschnittlich 3 bis 4 Grad erwärmt hätten.
Anhand eines konkreten Beispiels zeigte Seidel die Potenziale für Wolfenbüttel auf: Würde an der Schünemannschen Mühle am Schiffswall eine Wärmepumpe installiert, könnten dort bis zu 20 Megawatt Heizleistung erzeugt werden. Damit ließe sich ein Großteil der durchschnittlich benötigten Heizleistung der Innenstadt decken.
Diskutiert wurden außerdem die langfristigen Folgen für die bestehende Gasinfrastruktur. Hintergrund ist das Niedersächsische Klimagesetz, nach dem Niedersachsen bis 2040 treibhausgasneutral werden soll. Zwar bedeutet dies keine automatische Abschaltung aller Gasnetze zu einem festen Stichtag, dennoch gilt fossiles Erdgas mittelfristig als Auslaufmodell. Künftig werden kommunale Wärmeplanungen darüber entscheiden, welche Gebiete eher über Wärmenetze, Wärmepumpen oder andere Lösungen versorgt werden können. Einigkeit bestand darüber, dass es keine einzelne „Allheil-Lösung“ für die Wärmewende geben wird. Vielmehr werde die zukünftige Wärmeversorgung aus vielen unterschiedlichen Bausteinen bestehen – etwa aus industrieller Abwärme, Flusswärme, Wärmenetzen, Wärmepumpen und weiteren regional angepassten Lösungen. Entscheidend sei dabei, jetzt mit dem Umbau zu beginnen und diesen langfristig sozialverträglich zu gestalten.
HIER finden Sie den Vortrag zur Wärmeversorgung aus der Oker - Danke für die Bereitstellung an Frank Christian Seidel